Funk-Hörner kommen in den Himmel
50 Jahre Leipziger Hornquartett

..." Die Mitglieder des Quartetts ... sahen sich immer abseits des bewährten Repertoires nach virtuoser, origineller, witziger, schöner, kurz um: guter Musik um. Die zum Jubiläum bei Capriccio erschiene CD mit Werken des 20. Jahrhunderts legt davon beredt Zeugnis ab. Und sie zeigt unmissverständlich, dass die Leipziger auch in ihrer aktuellen Besetzung keinen Vergleich zu scheuen brauchen."

(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung 20.9.2001)


RONDO-Archiv: Klassik-Kritiken

“In der Beschränkung liegt oft der größte Reiz. Musik für vier Hörner hat naturgemäßweit weniger Klangfarben zu bieten als ein Streichquartett, und das Horn trägt eben noch immer den klanglichen Symbolcharakter eines Jagdinstruments. Einige Komponisten, die auf dieser CD repräsentiert sind, machen aus dieser naheliegenden Konnotation auch reichlich Gebrauch. Das gilt besonders für Jan Koetsier, dessen “Cinq Novelles" einem beim Hören unweigerlich ein Hirschgeweih auf dem Kopf wachsen lassen - und das bei einer Spieldauer von lediglich acht Minuten. Gefällig, spielerisch und klassizistisch geben sich die Stücke von Eugène Bozza und Frigyes Hidas, die “Kammermusik" des letzteren allerdings nicht ohne Anspruch.

Doch dann tritt er unweigerlich zu Tage, der Unterschied zwischen einem Kleinmeister und einem Meister. Paul Hindemith hat es in seiner Sonate nicht nötig, auf irgendwelche Klischees zurückzugreifen. Das ist hochanspruchsvolle und gleichzeitig spannende Musik, die von den Interpreten alles fordert und die klanglichen Begrenzungen der Instrumente vergessen macht. Und als strahlenden Höhe- und Schlusspunkt gibt es die Sonate von Michael Tippett, ein klangmagisches, farbenfunkelndes und dabei springlebendiges Werk, das den Hörer in einen Märchenwald entführt, und zwar ohne jegliches Halali. Nicht umsonst griff Tippett in seinem schönsten Orchesterwerk “The Rose Lake" auf diese Komposition zurück.

Dem Leipziger Hornquartett gebührt höchster Dank dafür, dieses Schmuckstück vorgestellt zu haben. Doch auch die anderen Stücke erwecken launig und virtuos zum Leben - da macht es dann auch nichts, dass einige davon letztlich nicht viel mehr als Schall und Rauch zu bieten haben."

(Thomas Schulz, 8.11.2001)

“Es sind alles in allem sehr wirkungsvolle Stücke, die erst einmal geblasen sein wollen, - und bei aller Produktion im Studio, wo man den einen oder anderen “Kiexer" auswechseln kann, ist es eine Leistung, vor der man den Hut ziehen muß!

Bestechend ist nicht nur die Intonation, sondern auch die klangliche Ausgewogenheit innerhalb des Quartetts, worauf ich als Dirigent natürlich besonders kritische Ohren verwende. Sehr gut ist auch die motivische Arbeit. Kurzum: Hier merkt man die Kontinuität eines Ensembles, ohne die keine Spitzenleistung möglich wird."

Jochen Wehner, Dirigent (langjähriger Chef des Rundfunkblasorchesters Leipzig) Dezember 2001

“Eine typische Quartettbesetzung ist sicher das Streichquartett. Ein Hornquartett, das ist keine alltägliche Besetzung und gerade deshalb besonders spannend. Das beweist auch die neu CD das Leipziger Hornquartetts besonders durch die nicht ganz alltägliche Auswahl an Werken. Alles exzellente Originalkompositionen das 20.Jahrhunderts, neben Bozza, Koetsier und Hindemith auch eine Ersteinspielung des ungarischen Komponisten Frigyes Hidas und eine deutsche Ersteinspielung das Quartetts für 4 Hörner von Michael Tippet. Mit absoluter Klangästhetik und technischer Präzision präsentieren sich die vier Hornisten des MDR Sinfonieorchesters als phantastisch aufeinander abgestimmtes Kammermusikensemble.

Diese CD ist wirklich empfehlenswert."

Susanne Pütz, LernRadio Karlsruhe, Januar 2002.



Deutschlandfunk, Musik und Information - Die neue Platte

“.. bei Capriccio hat das Leipziger Hornquartett eine CD mit Originalwerken für diese aparte Besetzung herausgebracht. Das Ensemble besteht aus Musikern des MDR Sinfonieorchesters. Gegründet wurde das Leipziger Hornquartett vor bereits 50 Jahren. Die jetzige Generation repräsentiert den Stand des gegenwärtigen technischen und interpretatorischen Vermögens, und da hat sich gerade auch beim Horn in den letzten 20 Jahren außerordentlich viel getan.

Die Literatur für diese Besetzung ist dennoch eng begrenzt. Die vier Leipziger haben für ihre CD Werke von Jan Koetsier, Eugène Bozza, Frigyes Hidas, Paul Hindemith und Michael Tippett eingespielt. Nun haftet dem Horn einerseits das Moment des Archaischen an, anderseits schwingt gelegentlich auch immer wieder mal das edle Waidwerk mit, und dann glaubt man für Augenblicke die tote Sau im Laub ausmachen zu können. Aber die vier vom Leipziger Hornquartett bringen einen solchen Facettenreichtum ein, dass die Musik viel von ihrem einförmigen Charakter verliert. Sie können in der Tat fröhlich schmettern, können auch ausgesprochen urtümliche Laute hervorbringen; aber ebenso beherrschen sie die fahlen, hintergründigen Klänge, den melancholischen Gesang. Die F-Dur-Suite von Bozza gewinnt alle heitere Eleganz, und Paul Hindemiths Sonate aus dem Jahr 1952 wird mit so leichter Virtuosität geblasen, dass erst gar kein trockner Ton aufkommt. Den dritten Satz legte Hindemith als Variationenfolge über das Lied “Ich schell mein Horn" an, und die vier Leipziger machen aus den Veränderungen geistvolle Charakterstücke, deren Schellen man mit ungetrübtem Vergnügen zuhört."

(Norbert Ely, 10.2.2002)


Das Orchester, CD-Tip

“Zwischen augenzwinkerndem Vergnügen, Musikantentum und satztechnischer Virtuosität angesiedelt sind die Kompositionen, die das hervorragende Leipziger Hornquartett auf seiner neuen CD vorstellt. Den im 20.Jahrhundert entstandenen Werken ist gemeinsam, dass sie von avantgardistischen Tendenzen frei sind. Hier wird nicht konträr zu den Möglichkeiten der Hörner, sondern aus der genauen Kenntnis der Instrumente komponiert. Max Hilpert, Johannes Winkler, Tino Bölk und Michael Gühne, die als Leipziger Hornquartett die Tradition des 1951 gegründeten Schaffrath-Hornquartetts fortsetzen, sind Mitglieder des MDR Sinfonieorchesters Leipzig, die sich besonders für Originalkompositionen für Hornquartett einsetzen.

.... Die Bedeutung der Werke mag unterschiedlich sein; dass Kompositionen von Jan Koetsier dank ihrer Wirkungsmöglichkeit bei Bläsern beliebt sind, ist verständlich, an die Bedeutung der Sonate Hindemiths oder der von Tippett reicht sie aber nicht heran - was aber dem Vergnügen, welches das brillante, über die rein instrumentaltechnische Beherrschung hinausgehende Spiel des Leipziger Hornquartetts bietet, in keiner Sekunde Abbrucht tut.

Genaue Kenntnis der Möglichkeiten das Horns prägt auch das Werk des 1928 geborenen Ungarn Hidas. In seiner Kammermusik für vier Hörner von 1981gelingt ihm sogar die Verbindung von ungarischen Rhythmen mit Jazzelementen und traditionellen Jagdhornmotiven. Die vier Leipziger Hornisten nehmen diese unterschiedlichen Stilvorgaben als Anlass zu inspiriertem Musikzieren.

... Die dreisätzige Sonate (Hindemith) ist einmal mehr ein Beispiel für die Variabilität des polyfonen Spätstils des Komponisten, der von den Hornisten dank ihres warm timbrierten Tones und ihres Einfallsreichtums von jeder Gefahr des blassen Akademismus befreit wird.

Obwohl bei Michael Tippett sicher nicht sofort eine gedanklich-ästhetische Verbindung zu Hindemith geknüpft werden würde, hat seine Hornsonate durchaus Verbindungen zu der Hindemiths. Die genaue Kenntnis der Ausdrucksmöglichkeiten gehört ebenso dazu wie die Souveränität im Satztechnischen. Das Leipziger Hornquartett nutz all die Möglichkeiten, die der Komponist ihnen hier einräumt, mit virtuosem, immer kammermusikalisch genau ausgelotetem Spiel.

Thomas Weiss, Juli/August 2002